Hinweis: Diese Webseite ist noch nicht vollständig barrierefrei und befindet sich im Umbau. Trotzdem möchten wir wichtige Tipps bereits weitergeben.
Vier Schreibroutinen für Webseiten und Onlineshops
Barrierefreiheit im Web bedeutet: Hürden abbauen und für alle Besucher lesbar sein. Mit vier einfachen Schreibroutinen verbessern Sie Ihre Texte, Bildbeschreibungen und Formulare und damit ganz nebenbei den Erfolg Ihrer Kommunikation. In diesem Artikel lesen Sie:
- Warum Barrierefreiheit wichtig ist
- Schreibroutine 1: Schreiben Sie für Besucher, die wenig Zeit haben
- Schreibroutine 2: Verfassen Sie eindeutige Linktexte
- Schreibroutine 3: Visuelle Inhalte, die niemanden ausschließen
- Schreibroutine 4: Formulare mit klarer Nutzerführung
- Fazit
- Bonus 1: Checkliste für Barrierefreiheit
- Bonus 2: Hilfreiche Praxistools
Warum Inhalte barrierefrei aufbereiten?
Stellen Sie sich Folgendes vor: Jemand landet auf Ihrer Website, ist interessiert und will „nur schnell“ eine Preisliste als PDF downloaden. Doch im PDF gibt es keine erkennbare Struktur, die Links heißen „hier“, und wichtige Infos stehen nur in einer Grafik. Das Ergebnis: Die Person ist frustriert und kommt nicht weiter.
Barrierefreie Inhalte bedeuten im Kern: So schreiben und aufbereiten, dass alle mitkommen. Der wichtigste Perspektivwechsel für das Aufbereiten von Inhalten lautet: Schreiben Sie nicht „für die Webseite“, sondern für Besucher. Das sind Menschen, die eventuell
- mit einem Screenreader lesen
- nur mit der Tastatur navigieren
- wenig sehen oder stark vergrößern
- schneller überfordert sind, wenn Texte zu dicht, zu kompliziert oder zu unübersichtlich sind
Das klingt nach „Extraaufwand“. In Wahrheit ist es oft einfach die bessere Kommunikation: klarer, strukturierter, eindeutiger. Ein Text ist dann barrierefrei, wenn er ohne Layout, Farbe und Maus funktioniert.
Was passiert, wenn Inhalte „barriereärmer“ sind?
- Rasches Zurechtfinden: Besucher von Webseiten oder Webshops finden schneller, worum es geht
- Weniger Abbrüche: Formulare, Downloads und Checkout-Schritte werden nicht zur Stolperfalle
- Höheres Vertrauen: Wer sich gut geführt fühlt, liest weiter und bestellt eher
Zur Info: In Österreich ist die Barrierefreiheit für viele Unternehmen seit 28. Juni 2025 gesetzlich relevant. Grob orientieren sich die Anforderungen an WCAG und EN 301 549; rechtlich ist das im BaFG verankert. Ob eine barrierefreie Aufbereitung verpflichtend ist, hängt von der Unternehmensgröße und dem Angebot ab.
Vier Schreibroutinen fürs Web
So schreiben Sie klarer für Webseiten und Onlineshops, führen besser durch Formulare und machen Downloads verständlich. Nachfolgend finden Sie vier Strategien anstelle von vielen Minitipps. Der wichtigste Tipp zu Beginn: Führen Sie durch Ihr Angebot.
1) Schreiben Sie für Besucher, die wenig Zeit haben
Manche Texte sind gut geschrieben, geben aber zu wenig Orientierung und folgen literarischen Ansätzen. Sie enthalten zu wenige Ankerpunkte und benötigen zu viel Zeit zum Lesen.
Warum das eine Barriere ist
Wer Inhalte scannt oder sich vorlesen lässt, braucht eine klare Struktur.
Tipps
- Setzen Sie klare Überschriften
- Schreiben Sie in kurzen Absätzen
- Nutzen Sie Zwischenüberschriften
- Erstellen Sie eine Liste, wenn sie mehrere Punkte kommunizieren
Die Faustregel lautet: eine Botschaft pro Absatz. Die wichtigsten Inhalte sollten sich in wenigen Sekunden erschließen.
Ein Beispiel
Text ohne Struktur mit fünf Schlagworten am Stück:
„Unsere Leistungen umfassen Strategie, Design, Umsetzung, Betreuung, Reporting und vieles mehr. Wir arbeiten …“
Strukturierter Text mit übersichtlichem Inhalt. Darunter erklären Sie in 2–3 kurzen Absätzen das Angebot genauer.
Unsere Leistungen auf einen Blick
- Strategie & Konzept
- Umsetzung für Website und Onlineshop: Design & Content
- Laufende Betreuung & Optimierung
2) Verfassen Sie eindeutige Linktexte
Viele setzen Verlinkungen hinter Begriffen wie „Hier klicken“, „Mehr“ oder „Weiterlesen“.
Warum das eine Barriere ist
Menschen, die über über Links navigieren, erhalten Linktexte als Liste ausgegeben. „Hier“ ist dann einfach … nirgendwo.
Tipps
- Eindeutig beschreiben, was bei einem Klick passiert oder was man bekommt
- Linktexte als Buttontexte formuliert: klar, aktiv, konkret
- Solche Linktexte wirken sich positiv auf die Suchmaschinenoptimierung (SEO) aus
Mini-Check: Klingt der Linktext auch dann logisch, wenn ich nur diese Begriffe lese?
Ein Beispiel
Allgemeiner Linktext
„Alle Infos finden Sie hier.“
Eindeutige Linktexte
- Zur Preisübersicht
- Rückruf anfordern
3) Visuelle Inhalte, die niemanden ausschließen
Fotos, Grafiken, Videos transportieren oft wichtige Info. Z. B. „So funktioniert unser Prozess“.
Warum das eine Barriere ist
Screenreader brauchen eine kurze Beschreibung, um Informationen zu verarbeiten. Ansonsten bleiben visuelle Inhalte ohne Nutzen bzw. für manche Nutzer unsichtbar.
Tipps
- Beschreiben Sie die essenziellen Information, die Ihre Fotos, Infografiken, Videos transportieren
- Verfassen sie so genannte Alt-Texte als knappe und hilfreiche Erklärungen
- Rein dekorative Bilder können Sie ohne Beschreibung belassen. Dazu zählen z. B. Hintergründe, Stimmungsbilder, Illustrationen ohne Informationswert
Ein Beispiel
Vager Alt-Text:
„Bild“, „Laptop“
Konkreter Alt-Text
„Screenshot: Kontaktformular mit Feld ‚E‑Mail‘ und Hinweis auf Pflichtfelder“
4) Formulare mit klarer Nutzerführung
Das Ausfüllen von Formularen scheitert häufig an unklaren Feldbezeichnungen/Fehlermeldungen oder versteckten Hinweisen (rote Markierungen).
Warum das eine Barriere ist
Wer nur die Tastatur nutzt, wer nicht gut sieht oder wer schnell gestresst ist, braucht Klarheit: Was soll ich eingeben? Was ist schiefgelaufen? Was muss ich tun?
Tipps
- Bauen Sie kurze Hilfetexte ein
- Formulieren Sie Fehlermeldungen eindeutig und leicht verständlich
- Hilfestellungen bei Fehlermeldungen sind Kundenkommunikation in Stressmomenten
Ein Beispiel
Formular ohne Hilfestellung
Fehlermeldung: „Ungültig“
Hinweis: „Pflichtfelder sind rot“
Formular mit eindeutiger Hilfestellung
Fehlermeldung: „Bitte geben Sie eine gültige E‑Mail-Adresse ein (z. B. name@domain.at).“
Hinweis: „Pflichtfelder sind mit * markiert.“
Fazit
Barrierefreie Inhalte sind kein „Spezialthema für später“. Es ist im Grunde die konsequente Weiterführung von gutem Marketing: klar sagen, was gemeint ist und Hürden entfernen, bevor sie Leads kosten. Wenn Sie starten wollen, gehen Sie am besten in dieser Reihenfolge vor:
- Ihre wichtigsten Seiten/Assets zuerst: Startseite, Kontakt, Angebot/Leistung, Check-out plus die wichtigsten PDFs
- Vier Schreibroutinen anwenden: Struktur, eindeutige Linktexte, Bildbeschreibungen, Formulare
- Quick-Tests einbauen: Tastatur-Test als Fixpunkt und bei den wichtigsten Seiten einmal mit einem Screenreader gegenchecken
So wird Barrierefreiheit nicht zur Mammutaufgabe, sondern zur Routine. Und Routine ist genau das, was am Ende die Inhalte Ihrer Webseite für alle besser macht.
Hier finden Sie weitere Tipps zu suchmaschinenoptimierten Texten!
Bonus 1: Checkliste mit Mehrwert
Nutzen Sie diese Checkliste für barrierefreie Inhalte vor dem Veröffentlichen. Sie benötigen kein Fachwissen, um sie abzuhaken.
A) Text & Orientierung
- Verstehe ich in 10 Sekunden, worum es im Text geht? -> Überschrift und erster Absatz
- Hat jeder Abschnitt eine klare Zwischenüberschrift?
- Sind Absätze kurz genug? -> eine Hauptaussage pro Absatz
- Bei mehreren Punkten: Sind diese als Aufzählung formatiert?
B) Verlinkungen & Bilder
- Beschreiben die Linktexte konkret, wohin sie führen?
- Beinhalten wichtige Bilder kurze Beschreibungen, die den Inhalt erklären?
- Werden rein dekorative Bilder unnötig „mitgelesen“?
C) Formulare
- Ist bei jedem Feld klar, was eingegeben werden soll?
- Sind Pflichtfelder eindeutig erkennbar, z. B. mit „*“ markiert und nicht nur über Farbe erkennbar?
- Sind Fehlermeldungen verständlich und leiten zur Vervollständigung an?
- Kann ich das Formular komplett mit Tabulator und Enter bedienen?
D) Letzter Praxistest
- Kann ich im PDF Text markieren/kopieren?
- Haben Dokumente einen sinnvollen Titel (nicht nur „final_v3_neu.pdf“)?
- Funktioniert die Seite ohne Maus, d. h. mit Tabulator und ich sehe, wo ich gerade bin?
- Wird wichtiger Inhalt vorgelesen? -> Screenreader-Test
Bonus 2: Tool-Liste für barrierefreie Webauftritte
Tools sind perfekt, um schnell offensichtliche Probleme zu finden. Hier einige Praxis-Tools:
- WAVE (WebAIM): Schneller Website-Check auf typische Barrieren wie fehlende Bildbeschreibungen, Strukturprobleme und Kontrast
- Google Lighthouse: Audit direkt im Chrome-Browser (u. a. Barrierefreiheit), gut als regelmäßiger „Score‑Check“ vor Launches
- Tastatur-Test (manuell): Einmal komplett ohne Maus durch die Seite tabben – deckt Fokus- und Bedienprobleme sofort auf
- NVDA (Screenreader): Realitätscheck: Wie klingt und funktioniert Ihr Inhalt, wenn er vorgelesen und über Überschriften/Links navigiert wird?
- LanguageTool: Hilft bei Rechtschreibung und oft auch dabei, Texte klarer und leichter verständlich zu machen
- Screaming Frog/SEObility: Praktisch, um auf größeren Websites systematisch Dinge wie fehlende Bildtexte oder wiederkehrende Strukturprobleme zu finden
- Barrierefreiheitsprüfung in Microsoft Office/Adobe Acrobat: Für Worddokumente & PDFs: Probleme vor dem Upload erkennen (Struktur, Lesereihenfolge, Alternativtexte, usw.)
- BITV-Test (Selbsttest): Detaillierter Kriterienkatalog, wenn Sie tiefer und strukturierter prüfen wollen
