Hinweis: Diese Webseite ist noch nicht vollständig barrierefrei und befindet sich im Umbau. Trotzdem möchten wir wichtige Tipps für barrierefreies Schreiben im Web weitergeben.
Vier Schreibroutinen für Webseiten und Onlineshops
Barrierefrei schreiben bedeutet: Hürden abbauen und für alle Besucher verständlich sein. Mit vier einfachen Schreibroutinen verbessern Sie Ihre Texte, Bildbeschreibungen und Formulare und damit den Erfolg Ihrer Kommunikation.
Warum barrierefrei schreiben?
Stellen Sie sich Folgendes vor: Jemand landet auf Ihrer Website, ist interessiert und will „nur schnell“ eine Preisliste als PDF downloaden. Doch im PDF gibt es keine erkennbare Struktur, die Links heißen „hier“, und wichtige Infos stehen nur in einer Grafik. Das Ergebnis: Die Person ist frustriert und kommt nicht weiter.
Barrierefreie Inhalte bedeuten im Kern: So schreiben und aufbereiten, dass alle mitkommen. Der wichtigste Perspektivwechsel für das Aufbereiten von Inhalten lautet: Schreiben Sie nicht „für die Webseite“, sondern für Besucher. Das sind Menschen, die eventuell
- mit einem Screenreader lesen
- nur mit der Tastatur navigieren
- wenig sehen oder stark vergrößern
- schneller überfordert sind, wenn Texte zu dicht, zu kompliziert oder zu unübersichtlich sind
Das klingt nach „Extraaufwand“. In Wahrheit ist es oft einfach die bessere Kommunikation: klarer, strukturierter, eindeutiger. Ein Text ist dann barrierefrei, wenn er ohne Layout, Farbe und Maus funktioniert.

Was passiert, wenn barrierefreies Schreiben umgesetzt wird?
- Rasches Zurechtfinden: Besucher von Webseiten oder Webshops finden schneller, worum es geht
- Weniger Abbrüche: Formulare, Downloads und Checkout-Schritte werden nicht zur Stolperfalle
- Höheres Vertrauen: Wer sich gut geführt fühlt, liest weiter und bestellt eher
Zur Info: In Österreich ist die Barrierefreiheit für viele Unternehmen seit dem 28. Juni 2025 gesetzlich relevant. Grob orientieren sich die Anforderungen an WCAG und EN 301 549; rechtlich ist das im BaFG verankert. Ob eine barrierefreie Aufbereitung verpflichtend ist, hängt von der Unternehmensgröße und dem Angebot ab.
Vier Routinen für barrierefreies Schreiben
So schreiben Sie klarer und barrierefrei für Webseiten und Onlineshops, führen besser durch Formulare und machen Downloads verständlich. Nachfolgend finden Sie vier Strategien. Der wichtigste Tipp zu Beginn: Führen Sie durch Ihr Angebot.
1) Schreiben Sie für Besucher, die wenig Zeit haben
Manche Texte sind gut geschrieben, geben aber zu wenig Orientierung und folgen literarischen Ansätzen. Sie enthalten zu wenige Ankerpunkte und benötigen zu viel Zeit zum Lesen. Barrierefreies Schreiben funktioniert anders.
Warum das eine Barriere ist
Wer Inhalte scannt oder sich vorlesen lässt, braucht eine klare Struktur.
Tipps
- Setzen Sie klare Überschriften
- Schreiben Sie in kurzen Absätzen
- Nutzen Sie Zwischenüberschriften
- Erstellen Sie eine Liste, wenn sie mehrere Punkte kommunizieren
Die Faustregel lautet: eine Botschaft pro Absatz. Die wichtigsten Inhalte sollten sich in wenigen Sekunden erschließen.
Ein Beispiel
Text ohne Struktur mit fünf Schlagworten am Stück:
„Unsere Leistungen umfassen Strategie, Design, Umsetzung, Betreuung, Reporting und vieles mehr. Wir arbeiten …“
Strukturierter Text mit übersichtlichem Inhalt. Darunter erklären Sie in 2–3 kurzen Absätzen das Angebot genauer.
Unsere Leistungen auf einen Blick
- Strategie & Konzept
- Umsetzung für Website und Onlineshop: Design & Content
- Laufende Betreuung & Optimierung
2) Verfassen Sie eindeutige Linktexte
Viele setzen Verlinkungen hinter Begriffen wie „Hier klicken“, „Mehr“ oder „Weiterlesen“.
Warum das eine Barriere ist
Screenreader-Nutzer lassen sich häufig eine Liste aller Links auf der Webseite ausgeben, um rasch den gewünschten Link zu finden. „Hier“ ist dann einfach … nirgendwo.
Tipps
- Eindeutig beschreiben, was bei einem Klick passiert oder was man bekommt
- Linktexte beschreiben das verlinkte Ziel eindeutig, z. B. Buttontexte
- Verlinkungen in einem guten Kontrast zum weiteren Text gestalten
- Neben der Farbe mit einem zweiten visuellen Merkmal versehen, z. B. unterstreichen oder mit einer Hintergrundfarbe hinterlegen
- Es muss erkennbar sein, welcher Link oder Button gerade den Fokus hat
Mini-Check: Klingt der Linktext auch dann logisch, wenn ich nur diese Begriffe lese?
Ein Beispiel
Allgemeiner Linktext
„Alle Infos finden Sie hier.“
Eindeutige Linktexte
- Zur Preisübersicht
- Rückruf anfordern
3) Visuelle Inhalte, die niemanden ausschließen
Fotos, Grafiken, Videos transportieren oft wichtige Informatione, z. B.: „So funktioniert unser Prozess“. Barrierefreies Schreiben inkludiert auch Fotos und Videos.
Warum das eine Barriere ist
Screenreader brauchen eine kurze Beschreibung, um Informationen zu verarbeiten. Ansonsten bleiben visuelle Inhalte für manche Nutzer unsichtbar.
Tipps
- Beschreiben Sie die essenziellen Information, die Ihre Fotos, Infografiken und Videos transportieren
- Verfassen sie so genannte Alt-Texte als knappe und hilfreiche Erklärungen
- Rein dekorative Bilder können Sie ohne Beschreibung belassen. Dazu zählen z. B. Hintergründe, Stimmungsbilder und Illustrationen ohne Informationswert
Ein Beispiel
Vager Alt-Text:
„Bild“, „Laptop“
Konkreter Alt-Text
„Screenshot: Kontaktformular mit Feld ‚E‑Mail‘ und Hinweis auf Pflichtfelder“
4) Formulare mit klarer Benutzerführung
Das Ausfüllen von Formularen scheitert häufig an unklaren Feldbezeichnungen oder Fehlermeldungen und versteckten Hinweisen.
Warum das eine Barriere ist
Wer nur die Tastatur nutzt, wer nicht gut sieht oder wer schnell gestresst ist, braucht Klarheit: Was soll ich eingeben? Was ist schiefgelaufen? Was muss ich tun?
Tipps
- Bauen Sie kurze Hilfetexte ein
- Formulieren Sie Fehlermeldungen eindeutig und leicht verständlich
Ein Beispiel
Formular ohne Hilfestellung
Fehlermeldung: „Ungültig“
Hinweis: „Pflichtfelder sind rot“
Formular mit eindeutiger Hilfestellung
Fehlermeldung: „Bitte geben Sie eine gültige E‑Mail-Adresse ein (z. B. name@domain.at).“
Hinweis: „Pflichtfelder sind mit * markiert.“
Barrierefrei schreiben – ein Fazit
Das barrierefreie Schreiben ist die konsequente Weiterführung von gutem Marketing: klar sagen, was gemeint ist und Hürden entfernen, bevor sie Leads kosten. Wenn Sie starten wollen, gehen Sie am besten in dieser Reihenfolge vor:
- Priorisieren Sie Ihre wichtigsten Inhalte
- Wenden Sie unsere vier Schreibroutinen an
- Nutzen Sie unsere Checkliste
So wird Barrierefreiheit nicht zur Mammutaufgabe, sondern zur Routine. Und Routine ist genau das, was am Ende die Inhalte Ihrer Webseite für alle besser macht.
Hier finden Sie weitere Tipps zu suchmaschinenoptimierten Texten!
Bonus 1: Checkliste mit Mehrwert
Nutzen Sie diese Checkliste fürs barrierefreie Schreiben vor dem Veröffentlichen. Sie benötigen kein Fachwissen, um sie abzuhaken.
A) Text & Orientierung
- Verstehe ich in 10 Sekunden, worum es im Text geht? -> Überschrift und erster Absatz
- Hat jeder Abschnitt eine klare Zwischenüberschrift?
- Sind Absätze kurz genug? -> eine Hauptaussage pro Absatz
- Bei mehreren Punkten: Sind diese als Aufzählung formatiert?
B) Verlinkungen & Bilder
- Beschreiben die Linktexte konkret, wohin sie führen?
- Beinhalten wichtige Bilder kurze Beschreibungen, die den Inhalt erklären?
- Werden rein dekorative Bilder unnötig „mitgelesen“?
C) Formulare
- Ist bei jedem Feld klar, was eingegeben werden soll?
- Sind Pflichtfelder eindeutig erkennbar, z. B. mit “*” markiert und nicht nur über Farbe erkennbar?
- Sind Fehlermeldungen verständlich und leiten zur Vervollständigung an?
- Kann ich das Formular komplett mit Tabulator und Enter bedienen?
D) Letzter Praxistest
- Kann ich im PDF Text markieren/kopieren?
- Haben Dokumente einen sinnvollen Titel (nicht nur „final_v3_neu.pdf“)?
- Funktioniert die Seite ohne Maus, d. h. mit Tabulator und ich sehe, wo ich gerade bin?
- Wird wichtiger Inhalt vorgelesen? -> Screenreader-Test
Bonus 2: Barrierefreies Schreiben checken
Tools sind perfekt, um schnell offensichtliche Probleme zu finden. Die Empfehlung lautet: Lassen Sie Screenreader-Tests von erfahrenen und qualifizierten Screenreader-Nutzern durchführen. Mögliche Tools:
- WAVE (WebAIM): Schneller Website-Check auf typische Barrieren wie fehlende Bildbeschreibungen, Strukturprobleme und Kontrast
- Tastatur-Test (manuell): Einmal komplett ohne Maus durch die Seite tabben – deckt Fokus- und Bedienprobleme sofort auf
- NVDA (Screenreader): Realitätscheck: Wie klingt und funktioniert Ihr Inhalt, wenn er vorgelesen und über Überschriften/Links navigiert wird?
- LanguageTool: Hilft bei Rechtschreibung und oft auch dabei, Texte klarer und leichter verständlich zu machen
- Screaming Frog/SEObility: Praktisch, um auf größeren Websites systematisch Dinge wie fehlende Bildtexte oder wiederkehrende Strukturprobleme zu finden
- Barrierefreiheitsprüfung in Microsoft Office/Adobe Acrobat: Für Worddokumente & PDFs: Probleme vor dem Upload erkennen (Struktur, Lesereihenfolge, Alternativtexte, usw.)
- BITV-Test (Selbsttest): Detaillierter Kriterienkatalog, wenn Sie tiefer und strukturierter prüfen wollen
Weiterführender Artikel:
Digitale Barrierefreiheit für Webauftritte
